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14Jan/10Off

Das Web 2.0 – Wie auf einem Markt im Mittelalter

Autor des Artikels: Matias Roskos

Heute mal ein Blick zurück in die Vergangenheit - ins Mittelalter. Der Handel im Mittelalter lebte von den Märkten, auf denen man so ziemlich alles bekam was man brauchte (oder auch nicht brauchte). Als Händler gab es die unterschiedlichsten Typen. Da waren zum einen die, die am lautesten und ausgefallensten schreien konnten. Dann wiederum gab es die, die durch Qualität überzeugen wollten. Selten traf beides zusammen: ein guter Marktschreier und eine außerordentliche Qualität seiner Waren. Wenn das doch mal der Fall war, war er unschlagbar.

Dazwischen gab es eine große Masse, die oft versuchte über den Preis zu überleben, von den lautesten Marktschreiern oft aber überschrien wurde. Sie hatten nur eine Chance langfristig zu überleben, wenn sie Nischen bedienten, die sonst kein anderer bediente. Oder sie lernten auch ganz laut zu schreien. Oder sie arbeiteten Schritt für Schritt an der Verbesserung der Qualität ihrer Waren. Das Feedback bekamen sie ja direkt von den Kunden auf dem Markt. Der Gradmesser war der Umsatz.

Genauso ist es im Internet des Jahres 2010. Nennen wir es Social Web oder Web 2.0. Wer am lautesten schreit, bekommt erst einmal die Aufmerksamkeit. Je länger ich das Web 2.0 beobachte und selbst aktiv daran teilnehme, desto mehr gewinne ich den Eindruck als befinde man sich auf einem Markt des Mittelalters. Damit meine ich keinesfalls, dass wir in eine eher düstere Zeit zurückkehren. Es geht mir dabei nicht um den Zeitgeist oder die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen. Ich meine allein die Lautstärke mit der versucht wird die Besucher auf sich aufmerksam zu machen. Seife aus Ochsenblut, Schneckenpastete mit Veilchenduft oder eine Rückenmassage einer orientalischen Wunderheilerin.

Gewonnen hat, wer am lautesten schreit.

Ist es nicht so? Gehört die Aufmerksamkeit nicht zuerst denen, die am auffälligsten brüllen? Sie waren auf einem Mittelaltermarkt oft ein auffälliger Angelpunkt – die Marktschreier.

Aber setzt sich letztendlich Lautstärke allein durch? Wen finden wir denn noch auf einem solchen Markt im Mittelalter? Händler, die auf Qualität setzen. Die ihr Handwerk mit Leidenschaft und Liebe betreiben. Und die sich, wenn sie sich nicht ungeschickt anstellen, mit der Zeit über treue Stammkunden freuen dürfen. Selten nur hatten sie auch marktschreierische Qualitäten.

Wer wird den größten Erfolg haben? Kurzfristig sicherlich der laute, auffällige Marktschreier. Wie ein Magnet zieht er neue Kunden an, die das mal ausprobieren möchten. Doch mittelfristig wird es ihm nicht gelingen eine Klientel an Stammkunden aufzubauen, wenn seine Hauptstärke allein das auffällige Rufen ist. Mittel- und langfristig wird der den größten Erfolg davon tragen, der sein Handwerk mit Liebe und Können betreibt. Und – das ist wichtig – es außerdem versteht seine Produkte und Dienstleistungen an die Frau und den Mann zu bringen. Er muss durchaus auch verkaufen können. Ein wenig „schreien“ muss er also auch können. Hockt er nur in seiner Werkstatt vor den Toren der Stadt oder ist sein Marktstand nicht einladend, nutzt ihm auch die beste Qualität nur wenig. Doch dann, wenn auch das einigermaßen stimmt, wird er viel Freude haben mit seinem Können, seinem Handwerk, seinem Business.

Der laute Marktschreier wird langfristig keine Chance haben gegen exzellente Handwerker mit einem wunderschönen Marktstand und der sympathischen Verkäuferin in ihrer Seite.

Und was sollen diese Ausführungen nun auf einem Blog, das sich mit Themen rund um Social Networks, Viralmarketing und Web 2.0 beschäftigt? Es ist im Grunde im modernen Internet, dem Social Web, nicht anders wie auf einem mittelalterlichen Markt. Es gibt viele viele laute Schreihälse. Die fallen auf. Sie ziehen Kunden bzw. Internetnutzer an wie ein zappelnder Regenwurm an der Angel den Fisch.

Doch es gibt auch viele gute „Handwerker“, die mit viel Liebe, Weitblick und Energie ihr Business betreiben. Sie fallen oft weniger auf. Doch langfristig werden sich die Projekte durchsetzen, die mit Passion immer weiter voran getrieben werden. Und die, die sich selbst Zeit geben um zu wachsen und um dazu zu lernen. Für einen Kreis an Stammkunden braucht es Zeit. Erst dann kann sich Mundpropaganda entfalten! Erst dann werden diese zufriedenen Stammkunden anderen davon erzählen. Die Community beginnt zu wachsen. Schritt für Schritt. Und vor allem: nachhaltig.

Die Menschen werden anderen zwar durchaus auch von den lauten, lustigen, auffälligen Marktschreiern erzählen. Doch die sind auch schnell wieder vergessen, wenn das Produkt nicht überzeugt. Von denen, die den Nutzer mit Qualität, einem freundlichen, persönlichen Service überzeugen, wird man Freunden immer wieder gern erzählen und sie immer wieder weiter empfehlen. Dann fängt Mundpropaganda an zu funktionieren. Wie auf einem Markt im Mittelalter.

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Kommentare (1) Trackbacks (0)
  1. Richtig durchschaut ;) auch vergleichbar mit der Besiedelung des Westens in der Vergangenheit oder des Mondes in der Zukunft. Immer wenn Horizonte erweitert werden gibt es dort noch „keine Regeln“, sowohl keine politischen, als auch keine marktwirtschaftlichen. Also wird erst einmal geprügelt… Ist doch super! Sonst würde es doch langweilig ;)


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