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6Sep/15Off

Auch von mir ein paar Worte zum Thema Flüchtlinge

Autor des Artikels: Matias Roskos

Gleich vorneweg: Großartig, dass es die Aktion #BloggerfuerFluechtlinge gibt! Und grandios, dass mittlerweile schon über 100.000 € an Spenden auf diese Art zusammengekommen sind. Herrlich!

Für solche Aktionen liebe ich das Social Web. Menschen finden zusammen und tun Gutes.

Wer mir auf Facebook oder Twitter folgt, weiß, dass mir das Thema Flüchtlinge sehr nahe geht und mich emotional enorm berührt. Ich halte es für selbstverständlich, dass eines der reichsten Länder dieser Welt, Deutschland, Menschen, die aus Krieg, Hunger, Verfolgung fliehen, mit allem zur Verfügung stehenden hilft. Ohne "wenn" und ohne dieses vermaledeite "aber".

Joko und Klaas sprechen mir da aus der Seele. Und sagen es genau so, wie es meiner Meinung nach gesagt werden muss. Nicht höflich, nicht verständnisvoll, nicht diplomatisch. Sondern ganz direkt. Sehr sehr deutlich. Danke, Jungs! Anders verstehen es die, an die es gerichtet ist, nicht. Und die, die zögerlich sind, die im Kopf diese "ja-aber-Schere" haben, werden so hoffentlich endlich aufgeweckt.

Warum sehe ich das genauso? Wohl wissend, dass ich damit des öfteren bei anderen Menschen anecke, die das nicht so richtig prickelnd finden, dass hier Tausende von Flüchtlingen plötzlich nach Deutschland kommen.

1. Zum einen glaube ich tatsächlich, dass diese Menschen eine echte Bereicherung für Deutschland sein werden. Vielfach kommen gut ausgebildete Menschen gerade auch aus Syrien zu uns. Samt der eigenen Kinder. Diese Kinder werden Deutschland für immer und ewig dankbar sein, dass sie hier - hoffentlich! - ein neues Zuhause gefunden haben.

Wir brauchen junge Menschen. Dieses Land braucht Kinder. Um in der Zukunft überleben zu können. Und vielleicht ist eines dieser Kinder in zwanzig Jahren Fußball-Weltmeister wie letztes Jahr Mesut Özil, Sami Kedhira, Lukas Podolski oder Jerome Boateng.

2. Deutschland galt einmal als das Land der kühlen Technokraten. Das Land der Vorschriften und der Bürokratie. Ohne Humor. Mit griesgrämigen Menschen. Das Land, in dem ein Hitler sein mörderisches Unwesen treiben durfte. Dann kam die Fußball-WM 2006. Und Deutschland wurde in der Welt als Land freundlicher Zeitgenossen wahrgenommen. Menschen, die gern lachen und feiern (und nebenbei noch verdammt gute Autos und andere Maschinen bauen). Ein Land, in dem Gäste aus aller Welt herzlich willkommen sind. Ein Land, das wunderschön, reich und sympathisch ist! Dieses Image meines Heimatlandes fand und finde ich toll. An diesem Image sollten wir alle gemeinsam weiter arbeiten. Denn es ist ein schönes, ein positives Image. Ein Image, auf das man stolz sein darf.

Und dieses Image hilft nebenbei auch deutschen Firmen überall in der Welt mehr Produkte zu verkaufen. Das Image sorgt also durchaus auch für Arbeitsplätze! Es tut uns, denen die wir hier in Deutschland leben, durchaus auch gut. Außer der Minderheit, für die eh alles Scheiße ist. Und die ihren meist selbstverschuldeten Frust mit der Flasche Bier in der einen und der Zigarette in der anderen Hand feiern. Ihr seid nicht Deutschland! Ihr lebt hier. Und wir müssen euch aushalten. Das gehört zu jedem Land wohl dazu. Aber Deutschland hat ein anderes, ein positives, freundliches und weltoffenes Image verdient. Denn die meisten Menschen in diesem Land sind genau das: sympathisch, freundlich und weltoffen. Darum: Refugees welcome!

3. Ich bin selbst Nachfahre von Flüchtlingen. Nein, meine Großeltern gehörten zum Glück nicht zu den Flüchtlingsströmen, die sich in Folge des 2. Weltkrieges durch Europa quälten. Aber auch diese Leiden sollten wir nicht vergessen! Deutschland besteht zu einem großen Teil aus einem Land von ehemaligen Flüchtlingen.

Meine Urgroßmutter war Griechin. Sie bekam ein uneheliches Kind von einem deutschen Offizier. Und hatte damit keinerlei Chance auf gesellschaftliche Akzeptanz oder gar Anerkennung im Griechenland des Jahres 1896. Woraufhin sie nach Deutschland kam. Ich kenne leider nicht mehr von ihrer Geschichte. Aber offensichtlich wurde sie in Deutschland aufgenommen und schaffte es Fuß zu fassen und klarzukommen. Keine Ahnung, wie gut und wie schnell. Aber mein Vater wurde geboren. Mein Name - Roskos - ist griechischen Ursprungs. Ich bin der Nachfahre eines Flüchtlings. Und ich muss dankbar sein und bin dankbar, dass Deutschland meine Urgroßmutter aufgenommen hat. Deutschland ist meine Heimat.

Mütterlichseits wiederum stammt meine Familie von den Hugenotten ab. Diese wurden 1685 von Kurfürst Friedrich Wilhelm in Preußen willkommen geheißen und konnten sich hier eine neue Existenz aufbauen. Sie trugen in den folgenden Jahrzehnten und Jahrhunderten zu wirtschaftlichem Wachstum bei.

Ich bin das Produkt von Flüchtlingen. Wie viele viele andere Menschen, die sich als "Deutsche" betrachten und bezeichnen, ebenso. Das macht Deutschland unter anderem aus. Viele von denen, die auf Facebook Hass-Kommentare gegen die Flüchtlinge des Jahres 2015 posten oder die in Heidenau und an anderen Orten am Straßenrand stehen und Flüchtlinge anbrüllen und anpöbeln, stammen von Flüchtlingen der vergangenen Jahrhunderte ab. Es ist ganz normal, dass Menschen für sich und ihre Familie eine neue Heimat suchen, um eine Perspektive für die Zukunft zu haben. Weil in ihrem Land Krieg ist. Weil in ihrem Land alles zerstört wurde. Weil sie in ihrem Land aus religiösen, geschlechtlichen oder politischen Gründen verfolgt werden. Ich finde es richtig, ich finde es gut, dass Deutschland bereit ist, für sie da zu sein! Das hat etwas mit den Werten zu tun, die unsere Gesellschaft ausmachen: Menschlichkeit, Hilfsbereitschaft, Gastfreundlichkeit, Warmherzigkeit. Für jeden! Egal welchen Glaubens er ist. Egal welche Hautfarbe er hat. Egal ob hoch gebildet oder weniger gebildet. Egal ob alt oder jung. Dieser Wertekanon ist ein elementarer Bestandteil Deutschlands. Zum Glück!

Wer dagegen sagt, diese Menschen, vor allem die jungen Männer, sollten doch bitteschön in Syrien dafür kämpfen, dass der Krieg beendet wird, haben noch nicht verstanden, dass ein toter Papa, der für den Frieden kämpfen wollte, seine Familie allein zurück lässt. In Syrien herrscht das blanke Chaos. Die Zerstörung schreitet immer weiter voran. Und es wurden und es werden tausende von Menschen täglich bestialisch ermordet. Flucht ist für einen Papa mit Frau und Kindern der einzig sinnvolle, der beste Weg, damit diese Kinder eine Zukunft für sich haben. Und das betrifft nicht nur Syrien. Auch in anderen Regionen der Welt gibt es für viele Menschen keinerlei Perspektive. Dass sie fliehen hat viel mit Verzweiflung, gleichzeitig aber auch viel mit Hoffnung für die Zukunft und mit viel Kraft zu tun, dass sie diesen Weg auf sich nehmen. Es ist doch toll, dass oft Deutschland ihr Ziel ist! Hier sehen sie eine Perspektive für die Zukunft. Was für ein Kompliment!

Jeder der jetzt - und sei es auch nur leise oder in Gedanken - gegen diese vielen Flüchtlinge zetert, entfernt sich von diesen genannten Werten. Das macht mich traurig. Und ist für mich komplett inakzeptabel. Denn damit hetzt er - wenn auch nur leise oder in Gedanken - gegen mich. Und all die anderen Menschen, deren Vorfahren einmal Flüchtlinge waren. Aus Frankreich, aus Ostpreußen, aus einem afrikanischen Land, wo auch immer und wann auch immer diese Menschen nach Deutschland kamen und halfen dieses Land zu dem zu machen, was es heute ist. Ein wunderschönes Land, ein reiches Land, ein Land, in dem wir alle gern leben. Ein Land, in dem wahrlich genug Platz ist für neue Flüchtlinge! Sie werden helfen, dass Deutschland der Zukunft zu bauen. Es werden nicht die sein, die mit der Bierflasche in der Hand am Straßenrand stehen und pöbeln. Es werden nicht die Steinewerfer und nicht die "ja-aber-Sager" sein. Es werden Menschen sein, die nach vorn schauen. Die an die Zukunft glauben. Hier in Deutschland. Es werden Menschen sein! Jeder Flüchtling ist ein Mensch! Keine Zahl, kein Niemand, nichts Schmutziges, nichts Krankes, nichts Minderwertiges. Jeder Flüchtling ist ein Mensch! Ein Mensch, der unsere Hilfe braucht. Ein Mensch! Ein Teil unser aller Zukunft.

Das ist Deutschland:

An alle: Freiwilligen Helfer, Polizisten, Busfahrer, Bahnbeamte, Sanitäter, Spender, Ärzte, Sicherheitsleute und und und ... Einfach mal von Herzen: Dankeschön für Ihren grandiosen Einsatz!

Posted by BR24 on Sonntag, 6. September 2015

Danke, München. Danke Deutschland!

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Autor Info's mit anzeigen Matias Roskos

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